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Gartentherapeutin Carmen Feldhaus mit Federvieh in ihrem grünen Paradies. Foto: Annette Ide

Auf's Huhn gekommen

Ein Besuch bei Gartentherapeutin Carmen Feldhaus in Schwelm

Schwelm – Carmen Feldhaus bietet gartentherapeutische Seminare für Kinder und Erwachsene an. In ihrem pädagogischen Programm spielen nicht nur Kraut und Rüben, sondern auch Hühner eine zentrale Rolle. Wir haben Frau Feldhaus und ihre sechs gefiederten Freunde in ihrem bunten Garten in Schwelm besucht. Ein Gespräch über Gartentherapie und die beruhigende Wirkung von Hühnern.

Annette Ide: Frau Feldhaus, wie sind Sie auf’s Huhn gekommen?

Carmen Feldhaus: Die Liebe zu Hühnern wurde schon in meiner Kindheit angelegt. Aber erst viele Jahre nachdem ich die Gartenarbeit noch als mein Hobby ausübte, ging der Wunsch, selbst Hühner zu halten, in Erfüllung. In meinem Garten baute mir mein Mann ein Hühnerhaus mit angrenzendem Gehege. Dort halte ich sechs Hühner verschiedener Rassen. Durch die Beschäftigung mit den Tieren stellte ich fest, dass sich die Tiere konditionieren lassen. Zwei  Hühner der New Hampshire Rasse – Pia und Thea – stellten sich als besonders stressresistent heraus.

Ide: Sie sind ausgebildete Gartentherapeutin. Was kann man sich darunter vorstellen?

Feldhaus: Vor einigen Jahren konnte ich meine beiden Leidenschaften, die Liebe zur Natur und der Umgang mit Menschen, durch die Ausbildung zur Gartentherapeutin zusammenführen. Die Gartentherapie ist noch eine sehr junge therapeutische Disziplin. Die heilsame Wirkung der gärtnerischen Arbeit wurde, vor Jahren, ausschließlich im Rahmen der Ergotherapie angeboten. Sie findet hauptsächlich Anwendung bei Kindern mit Defiziten, psychisch Kranken und an Demenz erkrankten Personen.

Ide: Wie wird Gartentherapie dort genau eingesetzt?

Feldhaus: In der Funktion als Gartentherapeutin arbeite ich in einem Seniorenheim mit demenziell erkrankten Personen als auch in der Nachmittagsbetreuung mit einer integrativen Gruppe von Schulkindern zusammen. Hier legen wir Hochbeete an, säen, pflanzen, ernten und bereiten köstliche Mahlzeiten aus unseren Erzeugnissen zu.

Ide: Und die Hühner übernehmen dabei welche Aufgabe?

Feldhaus: Das große Interesse der Kinder an der Natur und an Tieren brachte mich auf die Idee, der Gruppe meine Hühner – Thea und Pia – vorzustellen. Die positive Wirkung ließ sich umgehend feststellen. Selbst Schülerinnen und Schüler, die Konzentrationsschwächen haben, behalten eine Menge von dem Wissen um die Tiere. So entstand die Idee, mit den Hühnern auch Kindergärten und Grundschulen zu besuchen.     

Ide: Sie gestalten also Unterricht am lebenden Objekt?

Feldhaus: Ja, mein Angebot mit den Tieren einen Kindergarten oder eine Grundschulklasse zu besuchen wird regelmäßig und gerne angenommen. Spielerisch und durch ihre Neugier eignen sich die Kinder das Wissen rund um die Hühner an. Natürlich arbeite ich nach einem Konzept. Bei meinem Besuch gehe ich auf die Anatomie, die Nahrung des Huhnes und natürlich auf das Ei ein. Auch Arbeitsmaterialien stelle ich zur Verfügung. Bevor ich mit den Kindern gemeinsam eine Speise aus Eiern herstelle, beende ich den theoretischen Teil mit einem Quiz.

Ide: Nutzen Sie Ihren schönen Garten ebenfalls als Lernort?

Feldhaus: In meinem Garten ist eine Schulklasse auch herzlich willkommen. Hier kann ich neben den Hühnern auch Kräuter, Gemüsepflanzen und Blumen vorstellen. Ich musste schon oft feststellen dass vielen Kindern, beim Einkauf, nicht bekannt ist, woher die Nahrungsmittel stammen. Daher ist es mir sehr wichtig in meinen Lernangeboten auf die Zusammenhänge einzugehen.

Auf der „Pädagogischen Landkarte“ finden Sie das Programm „Und nun? Ein Huhn!“ hier.

Wir danken Frau Feldhaus für das Gespräch und wünschen Ihr noch viel Freude in und mit der Natur. Das Interview führte Annette Ide, Kreisredakteurin der „Pädagogischen Landkarte“ für den Ennepe-Ruhr-Kreis.

  • Carmen Feldhaus mit gefiederter Unterstützung beim Besuch einer Schulklasse.

    Foto: Carmen Feldhaus

  • Foto: Carmen Feldhaus

  • Der Feldhaus’sche Garten in Schwelm...

    Foto: Annette Ide

  • ... ist nicht nur Heimat von sechs Hühnern,...

    Foto: Carmen Feldhaus

  • ... sondern dient auch als außerschulischer Lernort.

    Foto: Annette Ide


Bei Landwirt Baumeister geht es um's Ei

Ebenfalls im Ennepe-Ruhr-Kreis, aber in weitaus größeren Dimensionen dreht sich auch bei Landwirt Baumeister alles um Hühner – und vor allem um deren Eier. Baumeister zählt zu den größten Eierproduzenten in NRW. Bei einer Besichtigung des Betriebs in Breckerfeld können Besuchergruppen erfahren, wie Eier produziert, gefärbt und weiterverarbeitet werden. Von der Aufzucht der Legehennen und den verschiedenen Formen der Hühnerhaltung bis hin zur modernen Technik der Eierverarbeitung, bietet der Lernort einen umfassenden Einblick in die Eierproduktion in einem Großbetrieb. Auch die hauseigene Biogasanlage kann Thema einer Führung sein. Weitere Informationen zum Lernangebot finden Sie hier

(Nachtrag vom 14.9.2016)


Publikationsdatum: 28.07.2016

Themen: Lernort-Portraits, außerschulisch Lernen