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Dass eine Schatzsuche nicht angestaubt sein muss, beweist das Haus Hövener mit der BIPARCOURS-App der Bildungspartner NRW. Foto: LWL/Schunck

Spielerisches Lernen im 21. Jahrhundert

Einsatz der BIPARCOURS-App im Haus Hövener in Brilon

BrilonNeue Formen des Lernens möchten viele außerschulische Lernorte für sich entdecken. Das Haus Hövener und der Briloner Heimatbund gehen nun digitale Wege: Mit Hilfe der BIPARCOURS-App von Bildungspartner NRW haben sie eine Schatzsuche 2.0 entwickelt. Carsten Schlömer, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Haus Hövener, beschreibt in einem Gastbeitrag, weshalb er in der Anwendung neue Chancen für außerschulisches Lernen sieht.


Um Nichtbesuchern zu Besuchern, ein Gelegenheitspublikum zu Stammgästen zu machen, bedarf es erheblich größerer, nachhaltiger Anstrengungen, kreativer Konzepte und kluger Strategien.“

– Hartmut John1

Mit diesem Leitsatz kann die zentrale Bedingung für die Entwicklung von außerschulischen Lernorten, von Museen, Archiven und anderer Kultureinrichtungen definiert werden. Diese Orte müssen sich weiterentwickeln, um Schüler und Schülerinnen sowie die privaten Kulturtouristen zu sich zu locken. „Neu erfinden“ lautet die Devise. Anpassung an die modernen Zeiten mit den jeweiligen Medien ist die Prämisse. Momentan befinden wir uns an der Schwelle zu einer neuen, flächendeckenden Entwicklung. Digitalität ist das Schlagwort, mit dem die allgegenwärtige Präsenz von Smartphones und Tablets im öffentlichen und privaten Leben gemeint ist. Die omnipräsente Cloud – angefüllt mit jederzeit abrufbaren Informationen – ist ein Schwergewicht der Wissensvermittlung geworden. Kein Museum, kein außerschulischer Lernort kann es sich leisten, auf die Digitalität zu verzichten, da sie eine Bedingung für Schülerinnen, Schüler und Studierende ist. Das Spiel mit digitalen Medien ist das moderne spielerische Lernen geworden.

Glücklicherweise werden außerschulische Lernorte mit dieser Entwicklung – der Nutzung von Digitalität – nicht alleine gelassen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, die kommunalen Medienzentren und das Bildungsministerium NRW sind unverzichtbare Partner. Dort werden pädagogische Konzepte bereitgestellt, die genutzt werden können und auch sollten.

Zwei Ebenen sind bei der erfolgreichen und modernen digitalen Wissensvermittlung wichtig. Zuerst steht die bloße Verbreitung der Lernangebote. Schulen und Universitäten müssen überhaupt erst von den Kulturangeboten der Museen erfahren. Die Pädagogische Landkarte NRW ist hierfür die erste Anlaufstelle dieser Bildungseinrichtungen geworden. Sie bietet einen bequemen Überblick auf die Lernorte in Nordrhein-Westfalen. Für den Hochsauerlandkreis und speziell für Brilon sind neben dem Museum Haus Hövener auch die Stadtbibliothek und die diversen wald- und naturpädagogischen Erlebniswelten angegeben. Mithilfe dieser digitalen Karte können auch die einzelnen Lernangebote speziell abgerufen werden. Lehrkräfte können die für sie wichtigen Angebote herausfiltern und leicht den Kontakt mit dem jeweiligen außerschulischen Lernort herstellen.

Der zweite Schritt für den Digitalisierungsprozess besteht in der Bereitstellung der benötigten Angebote. Für das Museum Haus Hövener wird neben den klassischen pädagogischen Programmen erstmalig für Brilon auch ein Projekt eingetragen werden, dass als digitale Kulturerfahrung gilt. Dabei nutzt das Museum das von Bildungspartner NRW im Auftrag des Bildungsministeriums und der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe herausgegebene Digitalwerkzeug BIPARCOURS. Mit diesem können Museumsführungen, pädagogisch wertvolle Aufgabenketten und mehrsprachige Guides erstellt werden, die dann via Smartphone oder Tablet von Schülern und Schülerinnen abgerufen werden können. Spannende Aufgabenstellungen für schulwichtige Themen sind das Ziel. Schulklassen wählen aus den immer noch wachsenden Pool an Parcours aus.


  • Die BIPACOURS-App mit eigenen Inhalten füllen und für den Lernort nutzbar machen – das war das Ziel der Museumsmacher in Brilon. Das digitale Medium führt die Schülerinnen und Schüler durch das Museum und bezieht sie aktiv in die Entdeckung des Ortes und seiner Geschichte ein.

    Foto: LWL/Schunck

  • Quizfragen regen zum genauen Hinsehen und -hören sowie zum Mitdenken an. Richtige Antworten werden...

    Foto: LWL/Schunck

  • ... mit Punkten belohnt. Spielerisches Lernen wird hier also ganz wörtlich verstanden.

    Foto: LWL/Schunck

  • Neben der Heranführung an inhaltliche Themen geht es schließlich auch darum, das Museum als Ort zu päsentieren, an dem man Spaß haben kann: zum Beispiel bei einem Selfie mit einem Dinosaurier.

    Foto: LWL/Schunck

  • Am Ende gratuliert die App zum erfolgreich absolvierten Parcours. In der analgon Welt wartet die Schatztruhe darauf, geöffnet zu werden.

    Foto: LWL/Schunck


Die Digitalparcours in Brilon sind jedoch nicht nur auf die Räumlichkeiten des Museums beschränkt. Der Briloner Heimatbund Semper Idem e.V. verfolgt das Ziel, auch die Briloner Innenstadt durch die modernen Medien erfahrbar zu machen. Schülerinnen und Schüler greifen vor Ort auf die Cloud mit all ihren Informationen zur Stadtentwicklung zurück und filtern das Wissen gemäß des Lernplans heraus. So lässt sich beispielsweise das Thema Industrialisierung während eines Stadtrundganges mithilfe von zeitgenössischen Dokumenten und Fotografien plastischer verstehen als mit der bloßen Betrachtung im Unterricht, indem die Schauplätze der Wirtschaftsentwicklungen direkt besucht und in den Kontext des Unterrichtsthemas gesetzt werden.

Das Tablet bildet dabei die Projektionsfläche, die der Schüler oder die Schülerin in den Händen hält. Vorteil dabei ist, dass die verschiedenen Lernmaterialen unterschiedlich präsentiert werden können. Mit einem Computer können Video- und Audiodateien mobil abgerufen werden, die letztlich das Verstehen für den Schüler einfacher machen. Während des gesamten Hergangs steht das Konzept „learning by doing“ im Fokus. Nicht der bloße verbale Vortrag, der Frontalunterricht oder der manchmal schleppende Schüler-Lehrerdialog bilden den Kern des Lernprozesses. Viel eher sind die Schülerinnen und Schüler dazu aufgefordert, selbst Inhalte zu erstellen, selber Fragen zu beantworten. Dies geschieht im Spiel mit dem modernen Medium. Schon alleine die digitale Oberfläche unterhält und trägt so dazu bei, dass der Lernende konzentriert bleibt. Ein gewisses Belohnungssystem ist bei BIPARCOURS vorhanden. Die Teilnehmer des Parcours wollen sehen, welche Aufgabe im nächsten Schritt gestellt wird. Wollen sehen, auf welche Art und Weise der BIPARCOURS die nächste Frage in den Raum wirft. Am Ende durchlaufen die Schülerinnen und Schüler den Weg durch die Neugier motiviert. Der Lernerfolg stellt sich automatisch ein.

Kulturangebote dieser Art werden in Zukunft noch weiterwachsen. Jede Zielgruppe bedarf spezieller BIPARCOURS. Über die Schatzsuche im Museum für die Grundschulkinder, bis hin zu den aufwendigen Themenführungen durch Brilon und die Natur für die weiterführenden Schulen ist jeder BIPARCOURS anders. Wo die Reise der digitalen Kulturvermittlung dabei hingeht, bleibt noch verborgen. Moderne Wissensvermittlungen wandeln sich im Gleichschritt zur technologischen Entwicklung der Computer. Es wird dabei Zeit, dass außerschulisches Lernorte die Verwendung von Digitalität als Chance begreifen und nicht nur als unüberwindbare Herausforderung.

1Hartmut John: Museen neu denken. Perspektiven der Kulturvermittlung und Zielgruppen, in: Publikationen der Abteilung Museumsberatung (Bd. 26), hg. v. LWL, Bielefeld 2008, S. 29.


Hier geht es zum BIPARCOURS im Haus Hövener!

Um den Parcours aufzurufen, öffenen Sie bitte die App Biparcours auf Ihrem Smartphone oder Tablet und scannen den QR-Code (links) über die Funktion ‚Code scannen‛ ein. Sie erhalten die kostenfreie App für iOS-Geräre bei iTunes und für Android-Geräte bei GooglePlay sowie zum Download als APK-Datei zur Selbstinstallation unter biparcours.de.


Zum Autor:

Carsten Schlömer ist seit 2014 Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Briloner Eisenberg und Gewerke – Stadtmuseum Brilon. Seine Aufgabenfelder umfassen das Archivwesen des Museums und die Betreuung der Ausstellungsbereiche mit den Schwerpunkten Gewerken- und Montangeschichte des Sauerlandes. Das Museum Haus Hövener dokumentiert die wirtschaftswissenschaftliche Genese des Bergbaus in und um Brilon herum, porträtiert die Gewerkendynastien und bietet so Einblick in das Leben der Sauerländer Wirtschaftsbürger in der Zeitgeschichte. Neben den pädagogischen Angeboten zur Geschichte des Bergbaus bietet das Haus Hövener Lernprogramme zur Geologie und Paläontologie im Raum Brilon an. Fragen, wie die Region zur ihrer heutigen Erscheinung kam und welche besonderen Entwicklungen hier zu finden sind, stehen dabei im Zentrum des Lernprozesses.