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Schüler und Schülerinnen der Franziskus Grundschule auf Erkundungstour an den Bruchhauser Steinen. Fotos: S. Berisha

Kennen und wertschätzen lernen, was vor der Haustür ist

Im Hochsauerlandkreis wird das Potenzial wohnortnaher Lernorte genutzt

Hochsauerlandkreis – „Um eine Region als Heimat zu empfinden, braucht man einzigartige Erlebnisse, die etwas Unverwechselbares vermitteln und eine regionale Identität schaffen“, betont Friedel Schumacher. Der pensionierte Lehrer ist Koordinator des Netzwerks „Gemeinsam aktiv im HSK“, in dem sich Schulen und Lernorte zusammengeschlossen haben. Eine enge Bindung insbesondere junger Menschen zu ihrem Lebensumfeld zu fördern, ist Ziel des Netzwerks im Hochsauerlandkreis.

An außerschulischen Partnern besteht in der Geoparkregion eine breite Vielfalt: Bergwerke, Museen, Heimatstuben, Bibliotheken, Jugendherbergen und Infozentren wie das an den Bruchhauser Steinen entwickeln auf schulische Gruppen zugeschnittene Lernangebote und gehen Partnerschaften mit Schulen ein. Von der festen Verankerung der Lernortbesuche im Schulprogramm profitieren beide Seiten. Langjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit haben beispielsweise die Franziskus Grundschule Bruchhausen und die Stiftung Bruchhauser Steine. Bereits seit 2011 gehen Schule und Lernort bei der Umweltbildung Hand in Hand. An den 2017 vom Land zum „Nationalen Naturmonument“ ausgewiesenen Bruchhauser Steinen gibt es eine einzigartige Naturlandschaft zu entdecken. Die Lernpartnerschaft sieht vor, dass jedes Schulkind mindesten zweimal in der Grundschulzeit den Lernort besucht. In der Regel findet jedoch in jedem Schuljahr eine Exkursion unter wechselnden Oberthemen statt. Bei zweistündigen Führungen erfahren die Schülerinnen und Schüler viel über die seltenen Tiere und Pflanzen, die an den Felsen ihren Lebensraum gefunden haben. Ebenso beschäftigen sie sich mit den geologischen Besonderheiten sowie der kulturgeschichtlichen Bedeutung des Ortes. Um diesen ranken sich nicht zuletzt auch zahlreiche Legenden, die es ebenfalls zu entdecken gilt. Der Drittklässler Florian Götte schreibt über die Entstehung der Felsformation:

„Vor langer, langer Zeit, als Gott die Welt erschuf, spazierte er auch über Bruchhausen. Ihn störten auf seiner Wanderung schon seit einiger Zeit vier Steine im Schuh. So setzte er sich auf einen Berg, zog seine Schuhe aus und schüttete sie aus. So entstanden der Ravenstein, der Goldstein, der Bornstein und der Feldstein. Heute nennen die meisten Leute sie ‚Die Bruchhauser Steine‘.“ 

Die Bruchhauser Steine im Hochsauerlandkreis. Foto: Thomas Wensing CC BY-SA 2.0

Ob beim Moscheebesuch, bei der Besichtigung der Rettungswache des Briloner Krankenhauses oder beim Bäcker im Dorf – der Wert außerschulischen Lernens und seine Vielschichtigkeit wurden in der Franzikus Grundschule erkannt. Auch die Erkundungstouren an den Bruchhauser Steinen schätzt die an der Schule tätige Lehrerin Kerstin Penno sehr. Der Lernort liege schließlich direkt vor der Haustür der Schülerinnen und Schüler. Kindgerechte Heranführung an landschaftsgeschichtliche Themen sei so vor Ort möglich und daher besonders wertvoll, betont Penno. Durch die Ausrichtung des eigenen Angebots an die Richtlinien und Lehrpläne des Sachunterrichts der Grundschule ermögliche der Lernort eine optimale Verknüpfung mit dem schulischen Unterricht. Zudem bilden die Exkursionen einen willkommenen Gegenpol zum Schulalltag. Darüber hinaus hebt die Lehrerin hervor:

Die Kinder lernen durch eigene Erfahrungen, können sich bewegen, sehen und anfassen, was ihre Umgebung bietet. Das Kollegium ist sich einig, dass nur die bewusste Wahrnehmung unserer Landschaft und deren Vielfalt Wertschätzung und Identifikation mit ihr bewirken.“

Unterstützt werden diese und weitere Kooperationen im Hochsauerlandkreis durch die landesweite Kampagne „Schule der Zukunft – Bildung für Nachhaltigkeit“, die von der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (NUA) in Recklinghausen koordiniert wird. Die Franziskus Grundschule wurde bereits mehrmals für die erfolgreiche Teilnahme an der Kampagne ausgezeichnet. Während die Kooperation mit der Grundschule bereits auf festen Beinen steht, hofft Ortsheimatpfleger Franz Klemann von der Stiftung Bruchhauser Steine, in Zukunft weitere Schulen aus der Umgebung für eine Zusammenarbeit gewinnen zu können.

Text: Katharina Schunck

Bildnachweis Titelbild: Bruchhauser Steine von Thomas Wensing CC BY-SA 2.0

Publikationsdatum: 09.08.2017

Themen: Lernort-Portraits, Kooperation, außerschulisch Lernen