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Birgit Kramps inmitten von Löwenzahn. (Foto: Bernd Henkel)

Duftdetektive, Kräuterköche und mutige Vorkoster im Lernort „KrautKulturKramps“

Ein Interview mit der Kräuterpädagogin, Phyto- und Aromatherapeutin Birgit Kramps

Wetter – Wanderungen und Workshops rund um Wildkräuter und Pflanzen in einem großen grünen Gartengelände: im Lernort „KrautKulturKramps“ der Kräuterpädagogin, Phyto- und Aromatherapeutin Birgit Kramps wird Natur aktiv und mit allen Sinnen erlebt: Sehen, Hören, Fühlen, Riechen – und nach gemeinsamer Zubereitung auch das Schmecken von Wildkräutern. Wir haben Birgit Kramps in Wetter besucht und mit ihr über ihre Freude an der Natur und über die Facetten außerschulischer Bildung in ihrem Gartengelände gesprochen. Die Regionalredakteurin Annette Ide berichtet von ihren Eindrücken vor Ort:

Inmitten von Wald und Wiesen erreichten wir das Anwesen der Familie Kramps. Durch ein großes Tor gelangten wir auf das 4.500m² große Grundstück, das sich aufteilt in einen Garten mit angrenzendem Hühnerhaus mit Auslauf und einem Treibhaus, Rasen-Wiesenflächen, großen Kaminholzregalen mit Vorräten für den Winter, einer Obstwiese mit zwei Bienenvölkern, einem Wasserbiotop, mehreren Sitzecken, einem kleinen Pool und und und …

Beeindruckt von unserer Umgebung besuchten wir als erstes gemeinsam den Garten. Hier fanden wir Gemüsepflanzen, zum Teil auch alte und außergewöhnliche Gemüsesorten wie z.B. den Baumspinat oder Haferwurz und jede Menge Kräuter vor. Birgit Kramps konnte uns über jede Pflanze und ihre Verwendung in Küche und/oder zur Heilung Auskunft geben. Nebenan im Pirk begrüßten uns die Hühner. Weiter ging es an den Holzregalen vorbei zum Wasserbiotop mit angrenzender Sitzecke umgeben von Pflanzen. Neben der Krebsschere, einer Wasserrankpflanze haben sich hier unter anderem zwei Ringelnattern, die aber nur selten in Erscheinung treten, niedergelassen. Daneben fanden wir als das jüngste Bauwerk des Anwesens: ein selbstgebautes Toilettenhäuschen. Zwischen den vielen Pflanzen am Weg entdeckten wir immer wieder etwas Neues, wie z.B. einen von Fließwasser gespeisten kleinen Pool für eine kurze Abkühlung. Obwohl es sicher noch so viel zu bestaunen gäbe, fanden wir auf einer Sitzecke vor dem Haus Platz, um uns nun endlich dem Interview zu widmen.

Annette Ide: Was bedeutet der Begriff Phytotherapie?

Birgit Kramps: Die Phytotherapie ist die Kunde der Pflanzen und ihrer heilenden Wirkung. In meiner Ausbildung lernte ich neben der Bestimmung der Pflanzen auch insbesondere die Inhaltsstoffe derselben kennen. Die Phytotherapie ist ein Teil der Naturheilkunde. In der Pflanzenheilkunde wird die Pflanze im Ganzen, mit ihren kompletten Inhaltsstoffen verwendet. Das können ihre Blüten, Blätter, Samen, Rinden und Wurzeln oder die komplette Pflanze sein. Es können Tinkturen, Salben, Tees und vieles mehr hergestellt werden. Auch in der Küche und in der Naturkosmetik finden die Pflanzen ihre Anwendung.

Ide: Wie können Schüler am Lernort damit Bekanntschaft machen?

Kramps: Mit Kindern ab Grundschulalter erkunde ich gerne die Umgebung. Hier haben wir vielfältige Möglichkeiten der Themenauswahl. Wir können gemeinsam Pflanzen anhand ihrer Blätter oder Stengel bestimmen oder auch lernen, die giftigen von den ungiftigen Pflanzen zu unterscheiden. Später kann durch gemeinsame Mal- oder Bastelaktionen das Wissen noch vertieft werden. Eine Kräuterwanderung mit Kindern und spätere gemeinsame Zubereitung von gesunden Speisen wie z.B. einem Salat kann aufzeigen, wie viel uns die freie Natur in der Küche zur Verfügung stellen kann. Die wilden Kräuter beinhalten im Gegensatz zu Zuchtkräutern oft wesentlich mehr Mineralstoffe und Vitamine. Daneben kann immer wieder auf die heilende Wirkung von bestimmten Pflanzen am Wegesrand hingewiesen werden oder auch direkt angewendet werden. Bei einer kleinen Wunde oder einer zugezogenen Fußblase kann mit Hilfe von bestimmten Pflanzenblättern schnell Abhilfe geschaffen werden. Auch die aromatische Wirkung von ausgewählten gesammelten Pflanzen kann den Kindern nahegebracht werden.

Hier finden Sie das Lernangebot Entdeckungsreise in das Reich der Wildkräuter auf der "Pädagogischen Landkarte NRW".

Ide: Was hat Sie dazu bewogen eine weitere Ausbildung zu machen?

Kramps: Mein Interesse gilt der Natur. Die Neugierde über die Anwendung von Pflanzen lässt mich nicht los. Weitere Kenntnisse diesbezüglich in Seminaren zu erwerben, bereitet mir unendlich viel Freude und regt meine Kreativität an, weitere Projekte in unserem Garten in Angriff zu nehmen.

Ide: Welche Schulfächer deckt Ihr Angebot ab?

Kramps: Neben der Sachkunde, Hauswirtschaft und Kunst werden auch Themen aus dem Fach Biologie aufgegriffen.

Ide: Ist der Besuch des Lernortes auch im Winter interessant?

Kramps: Die ersten Begehungen durch Wald und Flur lohnen sich erst ab dem Monat April.

Zum Abschluss wurde uns auch das Areal für die nächste Projektierung vorgestellt. Über eine Naturtreppe erreichbar ist unterhalb des Pools ein großer Platz vorbereitet. Hier soll im nächsten Jahr ein Schäfer-/Bauwagen aufgestellt werden. Birgit Kramps plant dort mit Gruppen Naturkosmetik herzustellen, Seifen zu sieden und vieles mehr.

Wir danken Birgit Kramps für das Gespräch. Das Interview führte Annette Ide, Regionalredakteurin der „Pädagogischen Landkarte NRW“ für den Ennepe-Ruhr-Kreis.

  • Die Einfahrt zum Grundstück: "KrautKulturKramps" liegt umgeben von Wald und Wiesen in der Natur. (Foto: Annette Ide)

    Der Lernort "KrautKulturKramps" auf der "Pädagogischen Landkarte NRW"

  • So weit das Auge reicht: grüne Wiesen, Baumwipfeln und Pflanzen. Im Vordergrund: Garten mit Treibhaus und dahinter liegendem Hühnergehege. (Foto: Annette Ide)

  • Birgit Kramps führt durch den Kräutergarten und zeigt uns Baumspinat, eine alte Gemüsesorte. (Foto: Annette Ide)

  • Nur wenige Schritte weiter: ein buntes Treiben im Hühnergehege. (Foto: Annette Ide)

  • An vielen Ecken laden ruhige Plätze zum Verweilen ein. (Foto: Annette Ide)

  • In malerischer Umgebung: ein Wasserbiotop mit Krebsschere. (Foto: Annette Ide)

  • Das jüngste Bauwerk des Geländes: ein selbstgebautes Toilettenhäuschen. (Foto: Annette Ide)