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Sebastian Köhler, Lehrer in den „Saerbecker Energiewelten“, in einem elektrisch betriebenen CityEl. Foto: Privat

Schüler – „die Verwantwortungsträger von morgen“

Sechs Fragen an Sebastian Köhler von den „Saerbecker Energiewelten“

Saerbeck – Seit November 2015 ist der Lernort „Saerbecker Energiewelten“ fester Bestandteil des „Bioenergieparks Saerbeck“. In Saerbeck wird seitdem nicht nur regenerative Energie erzeugt, sondern auch aktiv außerschulische Umweltbildung betrieben. Wir haben mit dem am Lernort tätigen Lehrer Sebastian Köhler über die Philosophie des Lernortes und die Bedeutung der Bildung für nachhaltige Entwicklung gesprochen.

Katharina Schunck: Herr Köhler, gemeinsam mit zwei weiteren Lehrkräften haben Sie das Konzept des Lernortes entwickelt. Mit welchen Themen beschäftigt sich Ihr Bildungsangebot?

Sebastian Köhler: Passend zum „Bioenergieparks Saerbeck“ geht es bei unserem Angebot schwerpunktmäßig um die Erneuerbaren-Energien-Techniken der Biogaserzeugung und -nutzung, Photovoltaik und Windenergieumwandlung. Darüber hinaus aber auch um die Zusammenhänge von CO2 und Klimawandel, Endlichkeit fossiler Energieträger, nachwachsende Rohstoffe, Speichertechniken, Wasserstofferzeugung und Brennstoffzellentechnik, Recycling und Energieumwandlung allgemein. Alle Themen lassen sich einer Bildung für nachhaltige Entwicklung zuordnen. Das Thema Nachhaltigkeit ist dabei interdisziplinär und kann ideal in einem projektorientierten und fächerübergreifenden Unterricht behandelt werden.

Schunck: Warum ist das Thema Nachhaltigkeit gerade für Schülerinnen und Schüler besonders interessant und wichtig?

Köhler: Die Schülerinnen und Schüler sind die Verantwortungsträger von morgen. Sie werden von weltweiten und lokalen Entwicklungen, die in ferner Zukunft liegen und die die älteren Generationen zum Teil nicht mehr erleben werden, direkt betroffen sein. Deshalb ist es unser Ziel, sie für die Risiken, aber auch Chancen zu sensibilisieren. Wir wollen ihnen die Möglichkeit bieten, zu erkennen, wie wichtig schon heute eine richtige Weichenstellung ist, die sich zum Beispiel hinsichtlich des Klimas erst in ca. 30 Jahren auswirken wird.

Schunck: Mit welchen Methoden versuchen sie Ihre Zielsetzung zu erreichen?

Köhler: Wir bieten den Schülerinnen und Schülern jahrgangsstufen- und themenabhängig verschiedene Stationen, an denen sie anhand von selbst durchgeführten Experimenten entsprechende Beobachtungen und Erfahrungen machen können. Dabei handeln sie in kleinen Gruppen so selbständig wie möglich, erhalten von uns aber erforderlichenfalls die passende Unterstützung. Beispielsweise können sie herausfinden, welche Auswirkungen es auf die elektrische Spannung und den elektrischen Strom hat, wenn Photovoltaikmodule in Reihe oder parallel geschaltet werden; oder wie sich unterschiedliche Windgeschwindigkeiten auf die Stromerzeugung einer Windenergieanlage auswirken. Besonders beliebt ist das Experiment, bei dem es darum geht, durch Erhitzen von Wasser mit einer brennenden Walnuss herauszufinden, wieviel Energie in der Walnuss steckt. Nach der Experimentierphase zeigen wir den Schulklassen bei einer Rundfahrt durch den Bioenergiepark, welche beeindruckenden Dimensionen die Anlagen in der Realität haben.


Wie viel Energie ist in der Walnuss?

Mit dem Fahrrad durch den Bioenergiepark

Anpeilen der Turmspitze einer Windenergieanlage


Schunck: Sie haben das interdisziplinäre Potenzial des Themas „Nachhaltigkeit“ betont. Wo bestehen Anknüpfungspunkte ihrer Bildungsangebote zu den Kernlehrplänen in NRW?

Köhler: In den Kernlehrplänen für Gesamtschulen für Naturwissenschaften zum Beispiel heißt es, dass in allen Naturwissenschafts-Fächern die Bedeutung der nachhaltigen Entwicklung vermittelt werden soll, und zwar durch Lebenswelt- und Praxisbezüge. So wird beispielsweise in der Jahrgangsstufe 7 im Chemieunterricht zum Inhaltsfeld Energieumsätze bei Stoffveränderungen erwartet, dass Schüler und Schülerinnen die Kompetenz erreichen, fossile und regenerative Brennstoffe zu unterscheiden und deren Nutzung unter den Aspekten Ökologie und Nachhaltigkeit zu beurteilen. Diese Kompetenz kann in den Saerbecker Energiewelten vermittelt werden. In der Jahrgangsstufe 10 heißt es dann beim Inhaltsfeld Stoffe als Energieträger, dass Schüler und Schülerinnen Vor- und Nachteile der Nutzung fossiler und regenerativer Energierohstoffe unter ökologischen, ökonomischen und ethischen Aspekten abwägen können sollen. Auch hierzu kann ein Besuch bei uns einen wichtigen Beitrag leisten. Das Thema Nachhaltigkeit beschränkt sich jedoch nicht nur auf Fächer wie Biologie, Chemie, Physik und Technik. Es hat auch Schnittmengen mit gesellschaftswissenschaftlichen Fächer wie  Erdkunde, Politik und Wirtschaft. Besonders das Fach Erdkunde kann in den Saerbecker Energiewelten Unterrichtsinhalte abdecken, wenn es zum Beispiel um die Themen Klima, Klimawandel und Treibhauseffekt geht. Ebenso können die Ressourcen der Erde oder realistische Alternativen für den Welthunger thematisiert werden.

Schunck: Sie und ihre beiden Kolleginnen unterrichten neben Ihrer stundenweisen Tätigkeit in den „Saerbecker Energiewelten“ weiterhin an Ihren Schulen. Welche Vorteile sehen Sie in dieser besonderen Verbindung zwischen schulischem und außerschulischem Bereich?

Köhler: Unsere pädagogische Ausbildung und Erfahrung ermöglicht es uns, die Schülerinnen und Schüler professionell beim Lernen zu unterstützen. Umgekehrt profitieren wir Lehrerinnen und Lehrer vom Praxisbezug im Bioenergiepark, den wir in unsere schulischen Unterrichte mitnehmen. Die Schülerinnen und Schüler können unsere Ausstattung, die in den Schulen leider häufig nicht in solchem Umfang zur Verfügung steht, nutzen und die Experimente in der Schule vor- und nachbereiten.

Schunck: Auf den Punkt gebracht: Warum sollten Schulklassen die  „Saerbecker Energiewelten“ unbedingt besuchen?

Köhler: Bei uns bekommen sie doppelte Praxis zum Themenbereich Erneuerbare Energien geboten: einerseits durch die Experimente und andererseits durch die Besichtigung der zugehörigen real betriebenen Großanlagen – sozusagen „zum Anfassen“. Wo sonst gibt es diese besondere Gelegenheit?

Schunck: Herzlichen Dank für den Einblick in die Arbeit der „Saerbecker Energiewelten“.

Weitere Informationen zu den Lernangeboten der „Saerbecker Energiewelten“ finden Sie hier.


Übersicht: Anknüpfungspunkte zu den Kernlehrplänen der Sekundarstufe


Publikationsdatum: 07.06.2016

Themen: Lernort-Portraits, außerschulisch Lernen