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Garrelt Duin, Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen, Rusbeh Nawab, Leiter Science College Overbach und Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen (von links nach rechts; Foto: Presse- und KulturBüro Schenk+Schenk)

Ausgezeichnet: „Ort des Fortschritts“ in Jülich

Sechs Fragen an Rusbeh Nawab vom „Science College Overbach“

Jülich – Mit der Auszeichnung „Orte des Fortschritts NRW“ würdigte die Landesregierung auch im Jahr 2015 Einrichtungen, die fortschrittliche und kreative „Antworten auf die großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit finden“. Eine der prämierten Institutionen ist das „Science College Overbach“ (SCO) in Jülich-Barmen. Wir haben mit Rusbeh Nawab, dem Leiter des Bildungsinnovationszentrums, über den Lernort und das Bildungsprogramm „Let’s Do Science“ gesprochen.

Miguel Duarte: Herr Nawab, was macht das „Science College Overbach“ zu einem besonderen Lernort und an welche Zielgruppen richten sich die Angebote des SCO?

Rusbeh Nawab: Das „Science College Overbach“ ist ein Jugend- und Bildungsinnovationszentrum für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik in Jülich-Barmen. Als außerschulischer Lernort des Hauses Overbach bietet das SCO ganzjährig außerschulische Bildungsangebote für Kinder, Jugendliche und Pädagogen aller Schulformen. Ziel der Einrichtung ist es, durch praxisorientierte Bildungsangebote, die Lern- und Berufschancen von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Die Angebote stellen eine sinnvolle Ergänzung zum Schulunterricht dar.

Duarte: Was kann man sich unter dem Bildungsprogramm „Let’s do Science“ vorstellen?

Nawab: Im Rahmen von „Let’s Do Science“ werden außerschulische Workshops, Ferienakademien und Forscher-Camps ausgerichtet. Hierzu gehören beispielsweise halbtägige Workshops für Grundschüler  und -schülerinnen zu den Themen „Schall“ oder „Energie“. Jugendliche kommen ins SCO, um sich mit der Biotechnologie, der Chemie oder der Forensik intensiv zu beschäftigen. Manche Akademien dauern bis zu zehn Tage. Workshops zur Studien- und Berufsorientierung sowie attraktive Freizeitangebote ergänzen die inhaltlichen Kurse. Die Besonderheit ist, dass wir großen Wert auf das praktische Experimentieren in unserem Schülerlabor legen. Denn wir fördern insbesondere das Handlungswissen für „Kopf und Herz“. Die in der Schule erworbenen theoretischen  Kenntnisse werden bei uns vertieft und anschaulich gemacht. Der intensive Dialog zwischen Dozenten und Teilnehmern ist uns sehr wichtig. Wir bieten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre individuellen Potenziale zu nutzen, ohne Zwang und ohne Druck. An den Schüler-Akademien nehmen Jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet teil.



Duarte: Gibt es neben „Let‘s Do Science“ noch weitere Angebote die Schulklassen aus dem Rheinland am „Science College Overbach“ wahrnehmen können?

Nawab: Alle Einzelveranstaltungen und Kursmodule sind im Rahmen des Programms „Let’s Do Science“ zusammengefasst, da wir unsere außerschulischen Bildungsangebote auf die MINT-Disziplinen fokussieren. Hierzu gehören auch Einkehrtage mit dem Titel „Glaube und Vernunft“. Schulkassen können sich einbuchen und unter fachlicher Moderation ethische Aspekte aus Wissenschaft, Forschung und Alltag reflektieren. Für die Übernachtung stehen zwei moderne Gästehäuser zur Verfügung. Für das leibliche Wohl sorgt unser hauseigenes Küchenteam. Auch die Fitness kommt nicht zu kurz. Auf dem Campus von Haus Overbach befinden sich zwei Sporthallen und ein Sportplatz. Im angrenzenden Naturschutzgebiet gibt es ebenfalls viel zu erkunden, beispielsweise einen Biberlehrpfad.

Duarte: Wie können Lehrer und Lehrerinnen diese Bildungsprogramme buchen?

Nawab: Es gibt Angebote, die wir das ganze Jahr über für Klassenverbände anbieten. Die Termine können in Absprache mit uns vereinbart werden. Die Workshops und Akademien in den Ferien sind direkt über die Homepage buchbar. Hierzu können sich Kinder und Jugendliche einzeln anmelden. Dies gilt auch für Workshops, die sich an Familien richten, wie beispielsweise ein jährliches Vater-Kind-Wochenende zur Astronomie. 

Duarte: Bietet das SCO auch Angebote für Lehrerinnen und Lehrer, zum Beispiel Fortbildungen, an?

Nawab: Ja, uns ist es wichtig, dass auch Pädagogen die Möglichkeit erhalten, die technische Ausstattung des Science College zu nutzen. Im Rahmen von Fortbildungen, die wir mit der Unterstützung von Stiftungen und Partnern aus der Industrie ausrichten, können Pädagogen ihr Praxiswissen in den MINT-Disziplinen vertiefen. Diese Fortbildungen fördern auch den Meinungs- und Erfahrungsaustausch zwischen den Kolleginnen und Kollegen. Das Einzugsgebiet des Science College geht ja weit über das Rheinland hinaus. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus ganz Nordrhein-Westfalen und den belgischen und niederländischen Nachbarregionen.  

Duarte: Wie sind Sie auf die Pädagogische Landkarte NRW aufmerksam geworden und welchen Nutzen bringt Ihnen die Beteiligung?

Nawab: Das Regionale Bildungsbüro des Kreises Düren hat uns auf das neue Portal aufmerksam gemacht. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung des LVR, die 2015 in Aachen stattfand, hat mich das Konzept der „Pädagogischen Landkarte“ sofort überzeugt. Denn Marketing und Kommunikation sind wichtig, damit noch mehr Schulen und Jugendbildungseinrichtungen auf unser Bildungsangebot aufmerksam werden. Da wir keinerlei strukturelle Förderung erhalten, sind wir für jede Initiative dankbar die uns hilft, noch sichtbarer zu werden.

Duarte: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Ihnen auch weiterhin viele neugierige große und kleine Forscher und Forscherinnen.

Auf der "Pädagogischen Landkarte" finden Sie das „Science College Overbach“ hier.

Das Interview führte Miguel Duarte, der in der Zentralredaktion im LVR-Zentrum für Medien und Bildung in Düsseldorf den rheinischen Teil der "Pädagogischen Landkarte NRW" betreut.

 

Unterrichtsmaterialien für den MINT-Bereich:

Publikationsdatum: 29.04.2016

Themen: Lernort-Portraits, außerschulisch Lernen